Streichungen im Fernverkehr der Bahn sind das falsche Signal

Streichungen im Fernverkehr der Bahn sind das falsche Signal Zum Fahrplanwechsel werden auf zahlreichen Bahnstrecken in Deutschland die Taktungen erhöht, nur in Vorpommern streicht die Deutsche Bahn ihr Fernverkehrsangebot zusammen. Der Konzern kündigte zu Wochenbeginn an, aus Gründen der gesunkenen Auslastung durch die Coronapandemie zukünftig auf ein Zugpaar im Fernverkehr ab Stralsund über Greifswald in Richtung Berlin zu verzichten. Auch die erst vor wenigen Jahren erstrittene und einmal täglich verkehrende ICE-Direktverbindung nach München wird künftig bereits in Berlin enden. Nachdem bereits 2005 ein Großteil des Eisenbahnfernverkehrs zusammengestrichen wurde, droht nun der Fernverkehr auf der Strecke in der Bedeutungslosigkeit zu versinken und das trotz wachsender Bedeutung für den Tourismus und die Wirtschaft der Region [Weiterlesen per Klick auf den Titel]

21.10.20 –

Streichungen im Fernverkehr der Bahn sind das falsche Signal

Zum Fahrplanwechsel werden auf zahlreichen Bahnstrecken in Deutschland die Taktungen erhöht, nur in Vorpommern streicht die Deutsche Bahn ihr Fernverkehrsangebot zusammen. Der Konzern kündigte zu Wochenbeginn an, aus Gründen der gesunkenen Auslastung durch die Coronapandemie zukünftig auf ein Zugpaar im Fernverkehr ab Stralsund über Greifswald in Richtung Berlin zu verzichten. Auch die erst vor wenigen Jahren erstrittene und einmal täglich verkehrende ICE-Direktverbindung nach München wird künftig bereits in Berlin enden. Nachdem bereits 2005 ein Großteil des Eisenbahnfernverkehrs zusammengestrichen wurde, droht nun der Fernverkehr auf der Strecke in der Bedeutungslosigkeit zu versinken und das trotz wachsender Bedeutung für den Tourismus und die Wirtschaft der Region. Für den Wissenschafts- und Universitätsstandort Greifswald ist eine dichte Anbindung an Berlin lebensnotwendig, die Universität, die universitätsnahen Institute und der gesamte akademische Betrieb sind auf gute Erreichbarkeit angewiesen, der Schienenverkehr ist dabei das Hauptverkehrsmittel für Studierende und Mitarbeiter.

Dazu Prof. Markus Münzenberg, Mitglied der Bürgerschaftsfraktion: "Die Streichung der Verbindung ist das absolut falsche Signal. Optimierungen im Fernverkehr dürfen, auch wenn sie Vorteile für stark frequentierte Verbindungen beinhalten, nicht zu Lasten bereits unterversorgter Regionen gehen. Ein weiterer Aspekt sind die Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit. Die Wettbewerbsfähigkeit der Forschung an der Universität hängt an den Verbindungen. Attraktive Verbindungen sind schon bei Berufungen wichtig. Wichtiger ist, Hochleistungsforschung benötigt Kollaboration, Teilnahme an Begutachtungen, Konferenzen und Workshops. Der Zug ist dann der Arbeitsplatz auf den mehrstündigen Fahrten. Lange Anreisen, als Konsequenzen unnötige Übernachtungen, schlechte Anschlüsse und unmögliche Bedingungen zu Arbeiten in den zu vollen Regionalzügen, erschweren die gemeinsame Arbeit schon jetzt."

Auch für Studierende hat die Streichung Konsequenzen, Münzenberg dazu: "Auch ist dies das falsche Signal an die Studierenden, die am Wochenende nach Hause möchten. Gerade die Universität Greifswald ist stolz darauf ein Einzugsgebiet aus dem gesamten Bundesgebiet zu haben."

Ulrike Berger, Fraktionsvorsitzende der Kreistagsfraktion: "Regionalzüge können den Fernverkehr gerade dann nicht ersetzen, wenn die Fahrt weiter als nach Berlin gehen soll. Wer fünf, acht oder mehr Stunden unterwegs sein wird, ist froh nicht schon am Beginn der Reise den Regionalzug nehmen zu müssen, Zeit zu verlieren und auf funktionierende Umstiege angewiesen zu sein. Durchgehende Verbindungen und eine gute Abstimmung der Anbindung im Fernverkehr und eine hohe Taktung muss das Gebot der Stunde sein." Markus Münzenberg ergänzt: "Im Deutschlandtakt ist vorgesehen, Greifswald bis 2030 im Stundentakt per Fernzug anzubinden. Wie soll dies so realisiert werden?"

"Aus touristischer Sicht sorgen die Nadelöhre Rügenbrücke und Wolgast im Individualverkehr für frustrierende Anreisen. Attraktive Bahnverbindungen Richtung Rügen und Usedom, nicht der Abbau von Verbindungen müssen das Zeichen für den gebeutelten Tourismus und die Wirtschaft der Region sein. Darüberhinaus ist das Signal in der Coronapandemie auf weniger Züge zu setzen, ein Schlag in das Gesicht derer, die hoffen ausreichend Abstand im Zug halten zu können, zumal sich Berichte über überfüllte Züge in Richtung Berlin trotz Corona-Pandemie häufen. Die Bahn scheint hierbei nicht in der Lage zu sein, ihr Angebot in einem der Nachfrage entsprechendem Ausmaß über den Tag hinweg zu streuen und nachfragestarke Zeiten zur Saison, Wochenenden oder Pendlerzeiten ausreichend zu bedienen. Hier ist auch das Land als Bestellerin der Regionalzüge in der Pflicht nachzubessern", ergänzt Berger.

"Neben der Streichung wird zudem suggeriert man könne ab Greifswald um 7:04 Uhr mit Umstieg in Rostock nach Berlin im Fernverkehr reisen. Die Umstiegszeit in Rostock beträgt allerdings nur 5 Minuten. Das ist bei den Pünktlichkeitswerten im Fernverkehr der Bahn schon eine absolut unrealistische Umstiegszeit, für Reisende die Barrierefrei reisen wollen, oder Familien mit kleinen Kindern und großem Reisegepäck ein Akt der Unmöglichkeit. Darüberhinaus erhöht sich die Reisezeit durch den Umweg um 45 Minuten auf über drei Stunden. Dies wird die meisten Reisenden von vornherein von der Nutzung dieser Verbindung abschrecken", Münzenberg abschließend.

Das Signal in der Klima- und anhaltenden Coronakrise auf eine massive Streichung der Fernverkehrsverbindungen zu setzen ist falsch. Die Bürgerschaftsfraktion hofft auf eine gemeinsame Aktion der Oberbürgermeister Stralsunds und Greifswalds, der Universität Greifswalds, der Wirtschaftsunternehmen und des Tourismusverbandes und aus dem politischen Raum die die Deutsche Bahn dazu bringt von ihrem Plan Abstand zu nehmen.

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