Internationaler Frauentag: Aus Wut wird Widerstand

Frauentag

Wütende Frauen sind die größte erneuerbare Energiequelle dieses Landes – unaufhaltsam und wirkungsvoll. Es ist Zeit, sie sichtbar zu machen. Zum diesjährigen Frauentag stellen wir deshalb die Wut der Frauen in den Mittelpunkt.

Anlässe für diese Wut gibt es genug: Wenn der Heimweg zur Mutprobe wird, weil der schlimmste Fall immer mitgedacht werden muss. Wenn Frauen die gleichen Jobs erledigen wie Männer, aber dafür weniger Geld bekommen. Wenn Haus- und Erziehungsarbeit selbstverständlich von Frauen erwartet, aber kaum gesehen wird. Und wenn andere über die Körper diskutieren und die Schmerzen als „typisch weiblich“ abtun. Sprüche, Blicke und vermeintliche Witze ziehen den Alltag durch, all das ist Ausdruck einer noch nicht genug benannten Ungerechtigkeit.

Gleichzeitig gilt: Wut zu zeigen, ist ein männliches Privileg. Unsere Gesellschaft bestimmt genau, wer wann wütend sein darf und welcher Ausdruck von Wut als legitim gilt. Wütende Männer gelten als stark und durchsetzungsfähig, wütende Frauen oft als hysterisch oder emotional überzogen. Ihr Anliegen wird relativiert, ihr Ton kritisiert.

Der Internationale Frauentag erinnert nochmal mehr daran, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern noch immer nicht erreicht ist. Auch heute bestehen strukturelle Ungleichheiten, die auch politisches Handeln erforderlich machen.

Frauen verdienen in Deutschland weiterhin durchschnittlich 16 % weniger als Männer. Gleichzeitig leisten sie rund 43 % mehr unbezahlte Sorgearbeit, etwa in der Kinderbetreuung, der Pflege von Angehörigen oder im Haushalt. Diese Arbeit ist unverzichtbar für das Funktionieren unserer Gesellschaft, bleibt jedoch häufig unsichtbar und unzureichend anerkannt.

Darüber hinaus ist Gewalt gegen Frauen weiterhin ein gravierendes gesellschaftliches Problem. Laut Bundeskriminalamt wird in Deutschland nahezu täglich eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet; zudem sind rund 79 % der Opfer von Partnerschaftsgewalt Frauen (BKA, Lagebild „Partnerschaftsgewalt“). Ein wirksamer Schutz vor Gewalt ist daher eine zentrale Voraussetzung für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung.

Für eine tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern sind aus unserer Sicht insbesondere folgende Maßnahmen notwendig:

Verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Der weitere Ausbau einer verlässlichen Betreuungsinfrastruktur sowie familienfreundliche Arbeitsbedingungen sind zentrale Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben.

Gleichberechtigte Erwerbsbeteiligung von Frauen

Dazu gehören faire Bezahlung, mehr Transparenz bei Gehältern sowie bessere Aufstiegs- und Beteiligungsmöglichkeiten für Frauen.

Stärkung von Gewaltschutz und Selbstbestimmung

Erforderlich sind ausreichende Schutz- und Beratungsangebote sowie eine konsequente Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt.

Wut kann mehr sein: Sie wird zur transformativen Kraft, zur Selbstbestimmung und weiblichen Selbstermächtigung. Wir wollen diese kollektive Wut in Antrieb umwandeln. Wütende Frauen, die sich zusammenschließen, können nicht mehr als Einzelfälle ignoriert werden. Nur gemeinsam lassen sich herrschende Verhältnisse verändern und dazu laden wir ausdrücklich auch alle Männer ein. Gleichstellung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, die strukturellen Voraussetzungen für eine echte Gleichberechtigung zu schaffen, auch hier vor Ort in Vorpommern-Greifswald.

Lasst uns laut und wütend sein!

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