Moore gehören zu den wirksamsten natürlichen Klimaschützern. Obwohl sie nur einen kleinen Teil der Landfläche bedecken, speichern sie enorme Mengen Kohlenstoff. Werden Moore jedoch trockengelegt, kehrt sich diese Wirkung um. Der trockene Torf zersetzt sich und setzt große Mengen Treibhausgase frei. Aus natürlichen Kohlenstoffspeichern werden so erhebliche Emissionsquellen.
Vorpommern-Greifswald: Moorreichster Landkreis
Der Landkreis Vorpommern-Greifswald nimmt in diesem Zusammenhang eine besondere Stellung ein. Er ist bundesweit der Landkreis mit der größten Fläche an Moorböden und weist innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns den höchsten prozentualen Anteil an Moorböden auf. Rund 68 Prozent der Moorböden im Landkreis haben einen Schutzgebietsstatus.
Moore als größte Treibhausgasquelle im Land
Laut Daten des Bundesumweltamtes stoßen trockengelegte Moore in unserem Landkreis jährlich über zwei Millionen Tonnen CO₂ aus. Damit liegt der Landkreis bundesweit an der Spitze der Moor-Emissionen. Besonders hervorzuheben ist die Friedländer Große Wiese. Sie gilt als größter einzelner Emittent. Der dortige Treibhausgasausstoß ist sogar höher als der jährliche Ausstoß des Kohlekraftwerks Rostock.
In Mecklenburg-Vorpommern insgesamt stellen Moore die größte einzelne Quelle von Treibhausgasen dar – noch vor Verkehr, Industrie und Energiewirtschaft. Moorschutz ist daher keine Randfrage des Naturschutzes, sondern ein zentrales Handlungsfeld wirksamer Klimapolitik.
Und dann das: Planungsverband streicht Moorschutz
Gerade vor diesem Hintergrund kommt der Raum- und Regionalplanung eine zentrale Bedeutung zu. Am 29. Januar wurde das Regionale Raumentwicklungsprogramm Vorpommern fortgeschrieben. Jedoch wurde die Sicherung von Moorflächen gestrichen. Unser Antrag, die Sicherung der Moore wieder aufzunehmen, wurde abgelehnt: 21 dagegen, 6 dafür, 2 Enthaltungen.
„Leider hat der Planungsverband den Antrag für die Verankerung von Moor- und Klimaschutz mehrheitlich abgelehnt und damit eine große Chance vertan, tatsächlich gestalterisch und zukunftsweisend tätig zu werden!“
Ulrike Berger, Fraktionsvorsitzende der Kreistagsfraktion GRÜNE*TIERSCHUTZ*PARTEI
Greifswald übernimmt Verantwortung
Als erste Stadt in Deutschland hat Greifswald eine eigene Moorbeauftragte eingestellt. Gemeinsam mit dem Greifswald Moor Centrum werden konkrete Strategien zur Wiedervernässung von Mooren auf stadteigenen Flächen erarbeitet.
Das Greifswald Moor Centrum verbindet Wissenschaft, Politikberatung und Praxis und arbeitet zu zentralen Fragen des Moor- und Klimaschutzes. Es ist ein Zusammenschluss der Universität Greifswald, der Michael Succow Stiftung und DUENE e. V. und zählt zu den führenden Einrichtungen der Moorforschung.
Die Michael Succow Stiftung engagiert sich regional und international für den Schutz von Mooren und setzt auf eigenen Flächen konkrete Wiedervernässungs- und Moorschutzprojekte um. Sie zeigt, dass Moorschutz mit Biodiversitätsschutz und regionaler Wertschöpfung vereinbar ist.
Damit entsteht eine wichtige Schnittstelle zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Praxis. Dieses starke Signal zeigt: Klimaschutz beginnt vor Ort und Greifswald ist dafür mit bester Expertise aufgestellt. Der Landkreis sollte diese Ressourcen endlich ebenfalls nutzen.
Was wir jetzt brauchen
Vorpommern-Greifswald trägt aufgrund seiner Moorflächen eine besondere Verantwortung für den Klimaschutz. Wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und regionale Expertise liegen längst vor, nun kommt es auf ihre konsequente Umsetzung an.
- die zügige Wiedervernässung trockengelegter Moorflächen
- die verbindliche Sicherung von Mooren in Regional- und Entwicklungsplänen
- eine klare Strategie sowie Unterstützung für Gemeinden vor Ort
- sowie verlässliche Anreize und Förderungen für Paludikultur als nachhaltige Nutzung nasser Moore
Wir setzen uns weiter in den kommunalen Parlamenten und im Landtag dafür ein, dass die Wiedervernässung von Mooren in Mecklenburg-Vorpommern konsequent vorangebracht wird. Für echten Klima- und Umweltschutz, der wirkt – vor Ort und landesweit.
Klar ist: Moore müssen nass – jetzt!
Quellen: Die Zeit, 05.01.2023; Moorschutz Steckbrief Vorpommern-Greifswald, Thüneninstitut; Moorschutz-Strategie MV 2024