08.09.2020

Zur Aktuellen Stunde mit den Thema Rassismus

"Es ist wichtig, solidarisch zu sein und den Opfern zuzuhören, denn wir sind nicht die, die entscheiden, was rassistisch ist, wir können nur und müssen an uns selbst arbeiten. Rassismus passiert jeden Tag in Deutschland und ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und daher ist jeder Ort der Richtige, um das Problem anzugehen." Mehr dazu in der Rede von Kira Wisnewski, grüne stellvertretende Vizepräsidentin der Bürgerschaft Greifswald zur Aktuellen Stunde mit den Thema Rassismus:

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich finde es wichtig, dass wir heute diese aktuelle Stunde zum Thema Rassismus machen, da es wichtig ist, dass wir uns als Bürgerschaft mit den letzten Ereignissen, die dieses Thema betreffen, auseinandersetzen und Farbe bekennen.

Als Einstieg habe ich einige Fragen aus einem Privilegientest mitgebracht, die ich Ihnen vorlesen werde und sich jeder von Ihnen selbst seine Gedanken zu machen kann.

Wie viel Mühe geben Sie sich bei der Aussprache von spanischen, italienischen oder französischen Nachnamen? Und wie viel Mühe bei türkischen oder syrischen Nachnamen?

Wie oft wurden sie schon gefragt: Wo kommen Sie wirklich her?

Wie häufig wurden Sie schon von der Polizei angehalten und kontrolliert? Und wie häufig dieses Jahr?

Wie häufig wurden Sie schon von den Eltern eines Partners/ einer Partnerin nicht akzeptiert aufgrund Ihrer Ethnie?

Fühlen Sie sich jetzt schon durch die Fragen angegriffen?

Wurde jemals durch Migration oder einen politischen Systemwechsel einer Ihrer Bildungs- oder Berufsabschlüsse entwertet?

Können Sie gefährliche Ort in der Regel vermeiden?

Haben Sie jemals einen Arbeitsplatz oder eine Wohnung nicht erhalten wegen ihres Aussehens?

Hatten Sie als Kind ein eigenes Zimmer?

Sind ihre Eltern mit Ihnen ins Theater oder ins Museum gegangen?

Sehen Sie Menschen, die Sie repräsentieren, wenn Sie den Fernseher anschalten oder eine Zeitung aufschlagen?

Privilegien können wir durch viele Aspekte erhalten, dabei können viele Sachen eine Rolle spielen, wie Geld, Herkunft, Sexualität, Geschlecht, Gesundheit, Alter oder Bildungsstand. Genauso, wie man aufgrund dieser Faktoren auch Diskriminierung erfahren kann. Wichtig ist jedoch, dass wir als Gesellschaft darauf hinwirken, dass kein Mensch aufgrund einer dieser Faktoren Benachteiligung, Ausgrenzung oder gar Verfolgung erfährt.

Ich würde Ihnen gerne mehr über Rassismus in Greifswald erzählen, aber davon bin ich als weiße Person nicht betroffen. Ich kann nur solidarisch mit den Menschen sein, die davon betroffen sind. Und es ist wichtig, mit diesen Menschen solidarisch zu sein und zuzuhören. Zuhören, die Probleme ernst nehmen und den Menschen ihre Erfahrungen zuzugestehen. Es geht hierbei nicht um weiße Befindlichkeiten, wir sind nicht die, die darüber entscheiden, was rassistisch ist und was nicht, aber wir können an uns selbst arbeiten und unsere Privilegien anerkennen. Wir können auch anerkennen, dass es in Deutschland viele systematische Fehler gibt, die People of colour benachteiligen. Wir können dies auch tun, ohne uns angegriffen zu fühlen. Wer sich heute schon allein von der Erwähnung von Rassismus in der Gesellschaft angegriffen fühlt, der muss sich bewusstwerden, dass es hierbei nicht um ihn geht. Es geht um den Abbau von Ungerechtigkeit.

Wie wir am Samstag bei der Demo in Berlin gesehen haben, wächst da eine Bewegung am Rand rechts außen, die sich gegen unsere demokratischen Werte stellt. Gegen diese Bewegung müssen wir uns stark machen und das fängt auch hier bei uns in Greifswald an, dass wir uns hier gemeinsam gegen Rassismus aussprechen und auch so handeln, um diese Kräfte am rechten Rand nicht noch weiter zu befeuern. Dabei kommt es gerade bei uns in der Bürgerschaft an. Darauf, wie wir unsere Worte wählen, darauf, dass unsere Fakten korrekt sind und auch darauf, wie wir miteinander umgehen.

Rassismus passiert jeden Tag in gesamt Deutschland, da wird Greifswald in keine „braune Ecke“ gedrängt. Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Und da es überall ein Problem ist, ist auch jeder Ort der richtige, um gegen Rassismus anzugehen!

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