Regionales Entwicklungskonzept Ostvorpommern verschweigt große Probleme

Das vom Kreistag Ostvorpommern auf seiner letzten Sitzung beschlossene Regionale Entwicklungskonzept für Ostvorpommern (REK OVP), weist aus Sicht von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Greifswald-Uecker-Peene erhebliche Defizite bei der Analyse der Situation des Landkreises auf. Wenn der Kreis es mit der Lösung seiner Probleme tatsächlich ernst meint, sollte er den Mut haben diese beim Namen zu nennen. Stattdessen ist die Karte die zeigt, dass die Arbeitslosen in einigen Gemeinden südlich von Anklam beinahe 50% ausmachen, in der Endfassung des Dokuments wieder verschwunden.

Das REK drückt sich um die Benennung von Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Region: Weder die Gefahren, die sich aus der möglichen Ansiedlung stark umweltverschmutzender Industrien, wie z.B. Kohlekraftwerke, noch die Bedrohungen, die sich aus der Anwendung von Gentechnik in der Landwirtschaft ergeben, sind im REK genannt.

Unter "Stärken" heißt es im Analyseteil des REK: "Die landwirtschaftlichen Unternehmen können aus einer gesicherten "Position der Stärke" heraus die Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft perspektivisch bearbeiten". Da in den letzten 18 Jahren offenbar eine Diversifizierung kaum stattfand, sollte dieser Punkt eher unter Schwächen eingeordnet werden oder in der Kategorie "Chance" - falls die Hoffnung auf "perspektivische" Besserung der Situation begründet werden kann.

Leider sieht die Realität gegenwärtig anders aus. Eine kleine Zahl industrieller Agrarbetriebe, die je 100ha Nutzfläche so wenig Arbeitskräfte beschäftigen, wie keine andere Region in der EU, kauft intensiv alle verfügbaren Ackerflächen auf, was zu einer enormen Zunahme der Konzentration der Landressourcen führt. Wenn weniger Personen, als zur Zeit des Feudalismus, einen Großteil der Landressourcen des Kreises kontrollieren, können sich daraus unter Umständen erhebliche Risiken für die Möglichkeiten regionaler Entwicklung ergeben.

Während zahlreiche landwirtschaftlich geprägte Gemeinden bereits heute keinen Cent Gewerbesteuer aus der Landwirtschaft mehr einnehmen, weil der entsprechende Agrarindustriebetrieb seinen Sitz woanders hat, scheint auch diese Problematik den Autoren des REK OVP komplett entgangen zu sein. Oder sie passte nicht ins Konzept (Tabuthema?)?

Da laut REK OVP, "die Wertschöpfung je Arbeitskraft in der Landwirtschaft überdurchschnittlich ist", müssen sich die landwirtschaftlichen Akteure fragen lassen, ob dann nicht Geld vorhanden sei, die Diversifizierung auch kurzfristig anzugehen und nicht erst irgendwann "perspektivisch"? "Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Löhne der Mitarbeiter der Agrarbetriebe auch überdurchschnittlich sind." fasst Martin Lenk, Vertreter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Kreistag, seine Bedenken zusammen.

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